Aufschwung in Bulgarien: Wirtschaft erholt sich nach Aufnahme in die EU
Viele Unternehmen investieren seit der Osterweiterung in Bulgarien – Wirtschaft und Konsum nehmen dort seit der Aufnahme in die EU konstant zu. Obwohl Bulgarien bislang das ärmste Land in der EU ist, glänzt es mit hohen Wachstumszahlen. Besonders gute Absatzchancen für Unternehmen bietet der Hardware-Bereich.
Acht Monate nach dem Beitritt zur Europäischen Union zeigt Bulgariens Wirtschaft mit einer Steigerungsrate von ca. 6 Prozent eine erfreuliche Entwicklung. Die Regierung fährt trotzdem einen drastischen Sparkurs, da Bulgarien derzeit das ärmste EU-Land ist. Der Erfolg dieser Strategie, lässt sich deutlich im Bereich der öffentlichen Finanzen ablesen. In den ersten vier Monaten des Jahres erwirtschaftete Bulgarien mit 2,4 Prozent des voraussichtlichen Bruttoinlandproduktes einen deutlichen Überschuss. Bei Einhaltung dieses Sparkurses erhofft sich die Regierung einen aufs Jahr gerechneten Haushaltsüberschuss von 5 bis 7 Prozent des BIP.
Ein weiteres Merkmal des wirtschaftlichen Aufschwungs sind die gesenkten Auslandsschulden – Ende 2006 machten sie noch ca. 20 % des BIP aus. Zu einer Stabilisierung der Wirtschaftslage haben zahlreiche Steuerreformen und eine Privatisierung fast aller staatlichen Unternehmen beigetragen. Eng zusammengearbeitet wurde dabei mit dem Internationalen Währungsfond (IWF) und der Weltbank. Das Balkanland ist auf dem besten Weg zu einem Beitritt der Europäischen Währungsunion – bereits jetzt erfüllt es vier der fünf geforderten Maastricht-Kriterien. Außerdem konnte die Arbeitslosenquote bis Ende 2006 auf 9,1 Prozent gesenkt werden.
Konsum und Investitionen – Chance und Risiko zugleich
Antrieb dieser positiven Entwicklung ist zum einen die hohe Inlandsnachfrage, zum anderen sind es ausländische Direktinvestitionen.
Die Inlandsnachfrage hat seit großzügigen Privatkrediten der Banken um ca. 7 Prozent zugenommen. Kehrseite der Medaille sind angestiegene Preise und eine hohe Inflationsrate.
Eine weitere Folge der zahlreichen Konsumentenkredite ist eine Verschlechterung der Leistungsbilanz. Diese kommt durch die starke Refinanzierung des Bankensystems zustande. Bisher konnte die Regierung das entstandene Defizit durch Devisen ausländischer Investoren ausgleichen. 2006 betrugen die Bruttoanlageinvestitionen 4 Milliarden Euro – über eine Milliarde Euro kamen allein aus Deutschland. Das ist mehr, als die meisten anderen EU-Länder verbuchen konnten.
Aber auch die hohe Investitionsnachfrage birgt Risiken: Falls die ausländischen Investoren einmal ihr Geld abziehen sollten, müsste Bulgarien das entstehende Defizit in der Leistungsbilanz komplett durch Währungsreserven ausgleichen, Deflation und Wirtschaftskrise wären die Folge. Aus diesem Grund erhofft sich Bulgarien einen schnellstmöglichen Beitritt zur Europäischen Währungsunion – im günstigsten Fall drei Jahre vor dem offiziell geplanten EU-Beitritt 2013.
Handelspartner Deutschland
Der bilaterale Handel betrug im vergangenen Jahr 3,6 Milliarden Euro. Allerdings lag der Export in Deutschland mit 2,2 Milliarden Euro wesentlich höher als der Import, der sich auf
1,4 Milliarden belief. Den größten Anteil deutscher Ausfuhren macht der Maschinen- und Anlagenbau aus.
PC-Hardware ist der Markt der Zukunft
Viel versprechend ist der bulgarische PC-Hardwaremarkt. Branchenexperten prognostizieren für 2007 eine steigende Nachfrage. Besonders beliebt sind mobile Geräte wie Notebooks und Laptops. 2006 war mit mobilen Geräten eine Umsatzsteigerung von fast 52 Prozent möglich.
Im Gegensatz dazu stieg der Umsatz mit Servern lediglich um ca. 6 Prozent, im Bereich Desktop-PCs mussten sogar Umsatzeinbrüche verzeichnet werden.
Deutsche Unternehmen in Bulgarien
Bulgarien lockt deutsche Unternehmen durch seine geografische Lage, politische und wirtschaftliche Stabilität sowie gute Beziehungen zu den Nachbarländern. Als Tor zum Osten nutzen heute rund 1.200 Unternehmen Bulgarien. Wirtschaft, und besonders der Bereich Elektronik, spielte für Bulgarien, als ehemaliger Staat des RGW (Rat für Gegenseitige Wirtschaftshilfe), schon vor der Osterweiterung eine große Rolle.
Bulgarien bietet in dieser Branche kompetente Arbeitskräfte, die neben Englisch sehr gut Deutsch sprechen und auf einem sehr geringen Lohnniveau arbeiten. Das Durchschnittseinkommen der Bulgaren liegt derzeit bei umgerechnet 198 Euro im Monat.
Risiken und Ausweg
Trotz Anpassung der Gesetze an EU-Vorgaben besteht bei der Anwendung durch bulgarische Gerichte immer noch Rechtsunsicherheit. Zudem sind Korruption, sowie eine schlechte Infrastruktur Probleme, die ausländische Direktinvestitionen hemmen. Experten erhoffen sich allerdings eine weitere Verbesserung des Geschäftsklimas durch neue Infrastrukturprojekte und Geldern aus dem Struktur sowie Kohäsionsfond.
Insgesamt deuten die Entwicklungen der vergangenen Monate auf eine aussichtsreiche Zukunft für Bulgarien. Wirtschaft und Politik sind auf dem besten Weg sich den europäischen Standards anzupassen.

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