Bulgarien: Ein Land im Wandel
Bulgarien hat sich in den vergangen Jahren spürbar gewandelt. Doch immer noch gibt es viele Schwierigkeiten, trotz der generellen Zustimmung zu Europa.
Laut Prognosen soll Bulgariens Wirtschaftswachstum bereits 2008 bei sechs bis sieben Prozent liegen. Auch der Staatshaushalt weist wachsende Überschüsse auf, nachdem er einst kurz vor dem Bankrott stand. Der neue Wohlstand des bulgarischen Staates zeigte sich etwa, als den Lehrern im Oktober 2007 das von ihnen geforderte doppelte Gehalt genehmigt wurde.
Der Wandel des Landes macht sich auch direkt auf der Straße bemerkbar. Die Straßen in Bulgarien wurden saniert, die Zahl der Autos hat sich den letzten zehn Jahren vervielfacht und an den Straßenbahnhaltstellen findet man nun elektronische Anzeigen mit den Warteminuten bis zur nächsten Bahn.
Die strenge Überwachung durch die EU seit Beginn des Beitrittsprozesses 1998 habe sich positiv die Entwicklung des Landes ausgewirkt, so die stellvertretende Ministerin für Europafragen, Antoanetta Primatarova. Probleme gäbe es jedoch noch in den Bereichen, in denen es keine EU-Vorschriften einzuhalten gilt. Zwar sei das Bewusstsein da gewesen, dass auch in diesen Bereichen Reformen nötig gewesen seien, doch wäre es hier schwieriger gewesen, sich auf etwas zu einigen. „Da hat man am liebsten nichts gemacht“, so Primatarova.
Auch die Durchsetzung der bisherigen, unumgänglichen Reformen war schwierig. Widerstand kam zum einen von Seiten der organisierten Kriminalität, die rechtsstaatliche Strukturen verhindern wollten und zum anderen waren auch von der ärmeren Bevölkerungsschicht. Denn diese hatte unter der Beseitigung unrentabler Strukturen besonders zu leiden. Doch trotz dieser Opfer spricht sich die große Mehrheit der Bulgaren, mehr als 80 Prozent, laut einer Umfrage des Instituts Alpha Research für die EU aus.
Grund dafür sind nicht nur die neuen wirtschaftlichen Erfolge, auch hoffen die Bulgaren auf eine Demokratisierung ihres Landes, wozu etwa innere Sicherheit und Schutz auf Bürgerrechte gehört. „Wir haben unser Selbstbewusstsein wiedergefunden“, sagt der Autor Vladimir Zarev über den wohl wichtigsten Effekt des EU-Beitritts. Zwar seien noch nicht alle Probleme gelöst, doch das erniedrigende Gefühl Bulgare zu sein, sei weggefallen. Man sei endlich in Europa angekommen.

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