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Bulgarien will schnellstmöglich in Eurozone

Die bulgarische Regierung strebt einen schnellen Beitritt in die Eurozone an. Bulgarien möchte so einer möglichen Krise vorbeugen, die das momentane Leistungsbilanzdefizit verursachen könnte.

Die EZB würde sich anscheinend jedoch lieber noch etwas Zeit lassen, bevor sie Bulgarien als EU-Neuling in die Eurozone aufnimmt.

 

Seit seinem Beitritt Anfang des Jahres ist Bulgarien zwar das ärmste, aber auch das finanziell disziplinierteste EU-Mitglied. In den ersten vier Monaten ließ sich ein Überschuss bei den öffentlichen Finanzen von 2,4% des erwarteten Bruttosozialproduktes dieses Jahres feststellen. Hochgerechnet lässt dies einen Haushaltsüberschuss von 5% bis 7% des BIP vermuten. Bulgarien spart trotz der herrschenden Armut mit öffentlichen Geldern, da es seit drei Jahren unter zunehmend wachsenden Problemen mit der Leistungsbilanz leidet. In den letzten drei Jahren hat sich dessen Defizit auf 16% des BIP verdreifacht und sich in den ersten drei Monaten dieses Jahres noch weiter vergrößert.

 

Bislang gelang es problemlos, das Leistungsbilanzdefizit mit den Devisen ausländischer Direktinvestoren auszugleichen. Falls es jedoch zu einer Vertrauenskrise auf Seiten der Investoren kommen sollte, müsste das Loch in der Zahlungsbilanz vollständig mit Währungsreserven gestopft werden. Wegen der Currency-Board-Arrangements, die in der schweren Finanzkrise 1997 eingeführt wurden und heute an den Euro gebunden sind, funktioniert der automatische Wechselkurs-Stabilisator der Zahlungsbilanz in Bulgarien nicht mehr. Da die Geldmenge in Currency-Board-Systemen von dem Reservebestand abhängig ist, käme es im Falle einer Vertrauenskrise auch zu Geldverknappung und Rezession. Auf dem Markt würde Panik ausbrechen, eine Spirale von Währungszerfall, Hochinflation und Kapitalflucht würde drohen.

 

Currency Boards können ein hilfreiches Instrument zur Stabilisierung gefährdeter Volkswirtschaften sein, im Falle steigender Leistungsbilanzdefiziten oder mangelnder Haushaltsdisziplin stellen sie jedoch einen Risikofaktor dar. Der Internationale Währungsfond (IWF) schätzt die bulgarischen Devisenreserven zwar als ausreichend ein, um einen mäßigen und kurzzeitigen externen Schock aufzufangen. Allerdings zeigen die Finanzkrisen der vergangen Jahre, dass auch der leiseste Zweifel an der Währungsstabilität zu massiven und eben nicht mäßigen Reaktionen des Marktes führt.

 

Der Regeierung in Sofia ist das bekannt. Doch auch mit Eingriffen der Behörden lässt sich dieses Krisenpotenzial kaum noch weitergehend reduzieren. Der Vergrößerung des Leistungsbilanzdefizits gingen massiv ausgeweitete Konsumkredite des Bankensystems voraus, wobei das bulgarische Bankensystem aus dem Ausland kontrolliert und massiv refinanziert wird. Die bulgarische Regierung hat lediglich die Möglichkeit, das kreditgetriebene Wachstum der privaten Nachfrage mit der Zurückbindung der öffentlichen Nachfrage aufzufangen. Genau davon macht sie momentan so starken Gebrauch, dass es fast zum Zerreißen der sozialliberalen Koalition geführt hätte. Das Krisenpotenzial würde sich nur mit der Einführung des Euros entschärfen. Daher also der dringende Wunsch Bulgariens, möglichst schon 2010 zur Eurozone zu gehören.

 

Die Vorraussetzungen dafür sind nicht schlecht, misst man sie an den im Vertrag von Maastricht festgelegten Haushaltskriterien. So ist der Anteil öffentlicher Schuld am Bruttoinlandsprodukt in den letzten zehn Jahren auf ein Drittel zurückgegangen, Haushaltsdefizite gibt es bereits seit 2002 nicht mehr. Nur in Bezug auf die Finanzkriterien zeichnen sich gewisse Rückstände ab, doch auch hier sind die Behörden zuversichtlich, dass Bulgarien im Laufe des zwei Jahre dauernden Nachweises der Wechselkursstabilität auch die Kriterien hinsichtlich Zinsen und Inflation wird erfüllen können.


 

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