Jetzt klagen die bulgarischen Krankenschwestern
Sofia- Am Freitagmittag haben zwei der ehemals fünf inhaftierten Krankenschwestern vor dem Gerichtshof in Sofia gegen libysche Beamte ausgesagt. In ihrer Aussage belasten sie elf Justizvollzugsbeamte der schweren körperlichen Misshandlung während der acht Jahre in denen sie in einem libyschen Gefängnis gefangen waren.
Den Offizieren wird vorgeworfen die fünf Schwestern und den Arzt auf gewaltsamste Art körperlich misshandelt zu haben, darunter Folter durch Stromschläge, rohe Gewalt und Schlafentzug, ganz zu schweigen von der seelischen Gewalt die den Gefangenen angetan wurde.
Die unmenschlichen Foltermethoden führten zunächst auch das von den Libyern gewünschte Resultat herbei. So gestanden die fünf bulgarischen Krankenschwestern und der Arzt anfänglich die ihnen vorgeworfene Tat, nämlich in dem Kinderkrankenhaus der libyschen Stadt Benghazi vorsätzlich 438 Kinder mit dem HI-Virus infiziert zu haben, revidierten das Geständnis jedoch wieder als die Foltermethoden ans Licht kamen.
Seit Anfang des Jahres ermitteln die bulgarischen Staatsanwälte gegen die Offiziere aus dem libyschen Gefängnis wegen des Vorwurfes der körperlichen und psychischen Misshandlung, jedoch nimmt der Fall erst jetzt Formen an, da der Generalstaatsanwalt von Bulgarien, Boris Veltchev nun bestätigte dass er Anklage gegen die Verdächtigen erheben werde.
Der Entschluss Anklage zu erheben wurde vermutlich bekräftigt durch die Aussage des Sohnes von Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam Gaddafi, der vor kurzem auf dem arabischen Sender al-Dschasira bestätigte, dass die Mediziner unter anderem mit Stromschlägen gefoltert wurden.
Weiterhin gab er zu dass die Folter das Ziel hatte ein falsches Geständnis zu erzwingen und räumte ein, dass die Kinder in dem libyschen Kinderkrankenhaus schon vor der Ankunft der Mediziner mit dem HI-Virus infiziert waren.
Die sechs Mediziner wurden 1999 in Libyen inhaftiert. Obwohl zahlreiche namhafte Gutachter aussagten, dass die mangelhaften hygienischen Zustände in dem Krankenhaus für die Infektionen sorgten bevor die Schwestern eintrafen wurden sie 2004 zum Tode verurteilt.
Das Schicksal der Krankenschwestern und des Arztes wendete sich vor einigen Wochen, als das Todesurteil vom obersten Gerichtshof in Tripolis in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt wurde.
In den Tagen vor dem 24. Juli erreichten die EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und Cécilia Sarkozy, die Frau des französischen Präsidenten, dann die endgültige Auslieferung der Mediziner zurück nach Bulgarien.
Die wirklichen Gründe für die erreichte Auslieferung sind vielfältig, so sind zum einen Schadensersatzgelder in Millionenhöhe an die betroffenen Familien geflossen und zum anderen schloss der Staatspräsident Frankreichs Handelsabkommen für Panzerabwehrraketen mit Libyens Staatschef Muammar al-Gaddafi.
Sollte die angestrebte Klage Erfolg haben, drohen den verdächtigen Offizieren bis zu 6 Jahren Haft wegen der Misshandlung der Gefangenen.

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