Weinbauern trotz guten Jahrgangs nicht in Feierlaune
Die Weinlese war in diesem Jahr in Bulgarien besonders gut. Allerdings teilen die unabhängigen Weinbauern mit, sie seien nicht in Feierlaune: Die Ernte fällt mit über 400.000 Tonnen gegenüber 369.400t im vergangenen Jahr reichlich aus.
Auch haben die Trauben dank des richtigen Verhältnisses zwischen Niederschlag und Sonne hohen Zuckergehalt, viel Aroma und reiche Färbung - doch die Verkaufszahlen der großen Kellereien sind gefallen. Die großen Kellereien kaufen Trauben traditionell bei den kleinen Weinbauern. Aufgrund der erwarteten geringen Nachfrage, nehmen die Winzer in diesem Jahr geringere Mengen ab, als sonst.
Wer durch die Weinregion südlich von Plowdiw Richtung Assenowgrad reist, wird am Straßenrand Kübel mit Trauben vorfinden - 'Zum Verkauf' steht an den prall gefüllten Behältern.
Kleinbauern müssen Betrieb einstellen
'Möchten Sie etwas kaufen?' fragt Elena Nikolova (65) aus dem nahe gelegenen Dorf Proslaw hoffnungsvoll. 'Es ist ein Alptraum', seufzt sie. 'Die Kellereien nehmen nicht all unsere Ernte, oder sie versuchen, sie extrem billig zu kaufen.
'Wir sind gezwungen, die Trauben am Straßenrand anzubieten. Aber wie viele Leute werden wirklich Trauben mitnehmen, um den Wein selbst zuhause zu keltern?'
Der Geschäftsführer einer der großen Kellereien im nahen Assenowgrad sagte, er würde in diesem Jahr den Kleinbauern kaum Trauben abnehmen können. Die Exportrate sei um 15 bis 20 Prozent gesunken. 'Wir kommen mit unserer eigenen Ernte aus. Zukäufe von unabhängigen Kleinbauern wurden auf ein Minimum reduziert.'
Die Kellerei produzierte vor der Wende noch über 20 Millionen Flaschen jährlich für die Sowjet-Union. Noch immer ist sie eine der zehn größten Bulgariens mit einem Volumen von 2,1 Millionen Litern Wein pro Jahr. Der nationalen Weinhandelskammer zufolge wird Bulgarien in dieser Saison fast die Hälfte der Produktion zurückfahren. Zwei drittel des Weins werden für den Export hergestellt. Das meiste wird nach Russland verkauft. Nun sind die Bestellungen jedoch um 25 Prozent gesunken und lassen damit den ländlichen Weinanbau schweren Zeiten entgegensehen.

RSS Feed abonnieren