Der russisch-türkische Krieg und die Befreiung Bulgariens

Zar Alexander II.

Die Ereignisse in Bulgarien provozierten eine breite Empörung in Rußland, auf das die Bulgaren ihre Hoffnungen auf Befreiung nach dem Mißerfolg des Aprilaufstandes gesetzt hatten. In Aufrufen und Adressen wurde die tragische Notlage der bulgarischen Bevölkerung beschrieben und um russische Militärhilfe gebeten. Diese Appelle gingen an die Vertreter des öffentlichen Lebens, hochrangige Militärs und den Zaren.

 

Eine Botschafterkonferenz in Konstantinopel Ende 1876 sollte die sogenannte Ostfrage durch Verhandlungen beilegen, endete aber ohne jegliche Erfolge. Daraufhin erklärte der russische Zar Alexander II. am 24. April 1877 der Türkei den Krieg. Die Erklärung des russisch-türkischen Krieges hörte die bulgarische Bevölkerung im osmanischen Reich mit Begeisterung. Von den bulgarischen Auswanderern im Ausland stellten sich Hunderte Freiwillige zur Verfügung, versammelten sich in Kischinew und bildeten das bulgarische Freiwillige Korps mit 7.000 Mann. Sie nahmen an den entscheidenden Kämpfen bei Stara Zagora teil, in Pleven und an der Verteidigung des Shipka-Passes, wo die Entscheidung des Krieges herbeigeführt wurde. Die russischen Streitkräfte überquerten die Donau bei Svishtov. Trotz des schweren Winters überquerte die russische Armee den Balkan und befreite Sofia. Nun zogen die Streitkräfte nach Süden weiter und besiegten schließlich die türkische Armee.

 

Dieser Krieg kostete 200.000 russische, finnische und rumänische Soldaten und Offiziere das Leben. Am 3. März 1878 wurde in der kleinen Stadt San Stefano der Friedensvertrag zwischen Russland und der Türkei unterzeichnet. Dieser Vertrag hatte historischen, aber nicht gesetzlichen Wert und legte fest, daß Bulgarien die Länder einschließen sollte, in denen die Mehrheit der Bevölkerung von der Botschafterkonferenz in Konstantinopel als bulgarisch anerkannt worden war. Bulgarien bestand nun aus den nördlichen und südlichen Landeteilen und einigen Teilen von Makedonien.

 

Auf dem Berliner Kongreß im Juli 1878 forderte man die Schaffung eines großen unabhängigen Staates im Zentrum des Balkans und änderte den Vertrag von San Stefano. Das Territorium von Bulgarien wurde anders aufgeteilt. Der südliche Landesteil verblieb unter türkischem Einfluß und wurde zur autonomen Region Ost-Rumelien. Am 17. April 1879 wählte die Große Nationale Versammlung den deutschen Prinzen Alexander Battenberg zum Prinzen von Bulgarien. Damit war die Eigenständigkeit wiederhergestellt.