Christo Wladimirow Jawaschew

Die Pont-Neuf in Paris, der Berliner Reichstag oder die Wege des Central Parks in New York – nur drei Schauplätze der sagenhaften Kunstprojekte von Christo und Jeanne-Claude. Durch Aktionen wie diese ist das Künstlerpaar einer breiten Bevölkerungsschicht bekannt geworden. Dass es sich bei den genannten Werken nur um die Spitze ihres kreativen Eisbergs handelt, ist jedoch weniger bekannt. Dabei sind Christo und Jeanne-Claude höchst produktiv – und dass schon seit geraumer Zeit.

Christo (was übrigens sein echter Vorname ist) kam in Gabrowo, Bulgarien, am 13. Juni 1935 zur Welt, genau am selben Tag wie seine Frau und kreative Partnerin Jeanne-Claude. Sein künstlerisches Talent wurde bereits sehr früh entdeckt und gefördert, so erhielt er bereits mit sechs Jahren Unterricht im Zeichnen und Malen. 1953 gelang es ihm schließlich, auf der Akademie der schönen Künste in Sofia aufgenommen zu werden. Der streng sozialistische Lehrplan frustrierte den jungen Künstler jedoch so sehr, dass er 1957 nach Paris floh. Dort verdiente er seinen Lebensunterhalt mit Portraitmalerei – eine Tätigkeit, die er als künstlerische „Prostitution“ abtat.

1958 traf der junge Christo schließlich bei einem Portrait-Auftrag die aus wohlhabenden Verhältnissen stammende Jeanne-Claude. Beide hielten ihre Beziehung bis zur Geburt ihres Sohnes Cyril in 1960 geheim. Als Jeanne-Claudes Eltern von der Beziehung erfuhren, versagten sie dem Paar aus Entrüstung jede finanzielle Unterstützung.

Christo und Jean-Claude: Debüt in Köln


Bereits 1961 produzierten sie ihr erstes gemeinsames Projekt, als sie im Kölner Hafen Fässerstapel verhüllten. Nach ihrem zweiten Projekt „Eiserner Vorhang – Mauer aus Ölfässern“ in Paris, heirateten sie in 1962 und siedelten zwei Jahre später nach New York über, das damalige Zentrum der amerikanischen Kunstszene. Von da an bis zu Jeanne-Claudes Tod im November 2009 fruchtete ihre enge Zusammenarbeit in einer Vielzahl von facettenreichen und einmaligen Kunstprojekten auf der ganzen Welt.

Dabei werden Christo und Jeanne-Claude oft mit dem Etikett „Verpackungskünstler“ markiert, jedoch wird dies dem vielseitigen Werk der Künstler nicht gerecht. Das Verhüllen ist nicht der eigentliche Kern ihres künstlerischen Wirkens, stattdessen steht die Nutzung von Textilien, von Gewebe im Vordergrund. Dadurch erschaffen sie zeitlich begrenzte, fragile und sinnliche Kunstobjekte. Ihre kreative Ausdrucksfähigkeit wird dabei nicht durch finanzielle Bindungen eingeschränkt – Sie haben nie Sponsorengelder angenommen und haben alle ihre Kunstwerke komplett aus eigener Tasche finanziert.

Wer also im vorweihnachtlichen Dezember beim Einpacken von Geschenken auf den Geschmack von Verpackungskunst gekommen ist, sollte sich Christos und Jeanne-Claudes Kunst nicht entgehen lassen. Für richtige Fans kann auch eine Reise in Christos Geburtsland ein passendes Weihnachtsgeschenk sein.