Pejo Jaworow

(*1. Januar 1878, †29. Oktober 1914)

Sozialkritisch, revolutionär und isoliert – der Dichter und Revolutionskämpfer Pejo Jaworow, mit richtigem Namen Pejo Totew Kratscholow, führte ein schweres Leben, sowohl beruflich als auch privat. Dies hat er beide Male seiner uneingeschränkten Liebe zu verdanken. Zum einen derjenigen für sein Land, zum anderen der zu seiner Frau. Letztere kostete ihn sogar das Leben.

Am 1. Januar 1878 in der südlich gelegenen bulgarischen Stadt Tschirpan geboren, entdeckte Jaworow bereits früh seine Liebe zu Wort und Dichtkunst. In seinen Werken beschäftigt er sich hauptsächlich mit den Widersprüchen, denen er sein Land nach der 500jährigen türkischen Herrschaft und im Bemühen um Anschluss an die moderne westeuropäische Welt ausgesetzt sah. Gleichzeitig verspürt er den Drang, aktiv Einfluss auf die politischen  Geschehnisse zu nehmen, sympathisiert ab 1893 mit der marxistisch-sozialistisch orientierten „Bulgarische Arbeiter und Sozialdemokratische Partei“ und tritt nach 1897 in engen Kontakt mit den Bulgarischen Makedonisch-Adrianopeler Revolutionäre Komitees (BMARK).

In diesem Zeitraum arbeitet Jaworow zudem bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, die mit der BMARK in Verbindung standen, u.a. „Swoboda ili Smart“ („Freiheit oder Tod“) und „Awtonomija“ („Autonomie“). In der Zeitung „Glas makedonski“ („Makedonische Stimme“) publiziert er schließlich sein erstes Werk mit dem Titel „Napred“, was übersetzt „vorwärts“ bedeutet.

Pejo Jaworow: Vom Revolutionär zum Schriftsteller


1903 nimmt Jaworow als Freiheitskämpfer am Illinden-Preobraschenie-Aufstand teil und überquert dabei  mehrmals illegal die bulgarisch-türkische Grenze zu Makedonien. Während dieser Zeit lernt er den Revolutionär Goze Deltschew kennen, dessen Biografie er 1904 schreibt – ein Jahr nachdem Deltschew während einer Auseinandersetzung mit der osmanischen Polizei ums Leben kam. Nach diesem einschneidenden Erlebnis beendet Jaworow seine revolutionäre Tätigkeit und konzentriert sich fortan ganz auf das Schreiben.  

1901 publiziert er seine erste Gedichtsammlung, die den einfachen Titel „Gedichte“ trägt und arbeitet von 1905 an zudem als Bibliothekar sowie als Dramaturg am Nationaltheater „Iwan Wazow“. Außerdem unternimmt er viele Auslandsreisen, u.a. nach Nancy, Wien und Paris, die seine folgenden Werke entscheidend prägen.

1907 veröffentlicht Jaworow seine zweite Gedichtsammlung „Schlaflosigkeit“, die seinen Ruhm als bulgarischer Lyriker nachhaltig prägt. Gleichzeitig verliebt er sich in Mina Todorowa, die Schwester des bulgarischen Schriftstellers Petko Todorow. Doch ihnen bleibt nicht viel Zeit. Bereits 1910 begleitet er Mina zur ihrer letzten Reise nach Paris. Dort stirbt sie, erst 20jährig, an Tuberkulose – ein schwerer Schlag für den Dichter, den er nie richtig verkraften wird. In Minas Todesjahr erscheint sein Werk „Den Schatten der Wolken nach“, was auch außerhalb von Bulgarien bekannt ist.

Trotz seiner Erfolge - mit der Liebe hat Jaworow weiterhin kein Glück. 1912 heiratet er in Kjustendil Lora Karawelow, die Tochter eines bulgarischen Politikers, die sich jedoch nach einer Eifersuchtsszene vor seinen Augen selbst erschießt. Bei dem Versuch ihr zu folgen verliert Jaworow sein Augenlicht. Fast ein Jahr später, am 29. Oktober 1914, hält er dem gerichtlichen Prozess und den dadurch entstandenen Gerüchten, dass er der Mörder seiner Frau sei, nicht mehr stand, nimmt eine Überdosis Gift und erschießt sich.

Werke (Auswahl):

1901: Gedichte
1904: Biografie „Goze Deltschew“
1910: Theaterstück „Am Fuße des Vitoscha“
1910: Den Schatten der Wolken nach