Wirtschaft

Wie andere Staaten der GUS und des ehemaligen Ostblocks hat auch Bulgarien mit den typischen wirtschaftlichen Problemen eines Transformationslandes zu kämpfen. Mit dem Zusammenbruch des Ostblocks 1989 lösten sich schlagartig die sozialistischen Wirtschaftsstrukturen auf. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Wirtschaft zentralistisch auf die Bedürfnisse der Staatshandelsländer ausgerichtet. Produktionsstätten für wichtige Güter z. B. des Maschinenbaus waren teilweise nur in einem einzigen Standort des Verbundes lokalisiert. Durch das Fehlen der zum Einkauf nötigen Devisen kam die Produktion in vielen Bereichen zum Erliegen. Ein weiterer Punkt waren subventionierten sowjetische Energielieferungen, die nun mit harten Devisen bezahlt werden mußten und bei Schulden oftmals gestoppt werden.

 

Bis in die zweite Hälfte der 90er Jahre versuchte man, den Härten des unumgänglichen Strukturwandels durch das Aufschieben und Verwässern der notwendigen Reformen auszuweichen. Dies führte 1996 in eine Hyperinflation und eine schwere Wirtschafts- und Bankenkrise. Erst die Regierung Kostow leitete ab 1997 einschneidende Reformschritte ein. Mit Einführung eines Währungsrates (Bindung der Lewa an die DM) und der Konsolidierung der Staatsfinanzen wurde die Hyperinflation beendet. Die Durchführung weitreichender struktureller Reformen und die Privatisierung der staatlichen Unternehmen bilden seitdem die Grundlage für eine enge Zusammenarbeit mit IWF (1998 wurde ein Drei-Jahresabkommen vereinbart) und Weltbank. Die Wirtschaftspolitik der Regierung Kostow hat Bulgarien makroökonomisch stabilisieren können.

 

Das Wirtschaftsprogramm der Regierung ist jedoch mit großen sozialen Härten verbunden. Die Arbeitslosigkeit beträgt ca. 16 %, das Durchschnittseinkommen wird offiziell mit ca. 100,- € pro Monat angegeben. Zu berücksichtigen ist dabei jedoch, dass der Anteil der Schattenwirtschaft hoch ist (schätzungsweise 35 - 40 % des BIP).

 

Nach der Aufnahme der EU-Beitrittsverhandlungen stellt sich vor allem die Frage, ob und wann Bulgarien dem Wettbewerbsdruck in der EU standhalten kann. Zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der bulgarischen Wirtschaft sind verstärkt in- und ausländische Investitionen erforderlich. Der Umfang ausländ. Direktinvestitionen ist bislang im Vergleich zu anderen EU-Beitrittskandidaten gering. Die EU unterstützt Bulgarien mit umfangreichen Beitrittshilfen in Höhe von jährlich ca. 250 Mio. Euro zusammen mit den Unterstützungsprogrammen der bi- und multilateralen Geber und Finanzinstitutionen (v.a. Weltbank, EBRD und EIB). Damit sollen die Voraussetzungen für einen nachhaltigen Aufschwung geschafft werden.

 

Zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen zählen chemische Industrie, Ernährungswirtschaft (Lebensmittel, Getränke, Tabak), Metallindustrie, Maschinenbau, Textilindustrie, Glas- und Porzellanindustrie, Kohleförderung und Stahlproduktion. Der weitere Restrukturierung der Wirtschaft wird zeigen, welche dieser Industriezweige langfristig überleben können. Die wichtigsten Handelspartner sind bei der Ausfuhr Italien, Deutschland, Griechenland, Türkei, Russland und Frankreich, bei der Einfuhr Russland, Deutschland, Italien, Griechenland, Frankreich und die USA. Wichtigste Ausfuhrgüter sind chemische Produkte, Nahrungs- und Genussmittel, Rohmetall- und Stahlprodukte, Maschinen und Ausrüstungen, Konsumartikel und Textilprodukte. Eingeführt werden vor allem mineralische Produkte und Brennstoffe, (Baum-) Wolle und Garne, Maschinen und Ausrüstungen, chemische Erzeugnisse, Konsumgüter, Nahrungs- und Genussmittel.