Russe

Russe (auch Ruse), früher Rustschuk (bulgarisch Русе), ist die fünftgrößte Stadt in Bulgarien mit 158.201 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2004) und Industriestadt sowie kulturelles Zentrum des Gebietes. Die Stadt hat ein Schauspielhaus, eine Oper, eine Kunstgalerie, einen Fernsehturm mit Aussichtsplattform und eine Hochschule. Russe ist die Hauptstadt des Oblast Russe und Grenzstadt zu Rumänien. Die ihr gegenüber am anderen Ufer der Donau liegende rumänische Grenzstadt, mit der sie über eine Brücke verbunden ist, ist Giurgiu.

Geschichte

Das Gerichtsgebäude auf dem Freiheitsplatz

Früheste Siedlungsspuren stammen bereits aus dem 3. und 2. Jahrtausend v. Chr.; die Römer gründeten hier Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr. die Hafenstadt Sexaginta Prista (Stadt der 60 Schiffe). Sie hatte die Aufgabe die Nordgrenze des Römischen Reiches gegen Überfälle der nördlich der Donau lebenden Völker zu schützen.

 

Die Stadt wird bis zum 5. Jahrhundert erwähnt. Dann entstand südlich der heutigen Stadt Russe am Russenski Lom die Siedlung Tscherwen, die bis zu den Eroberungszügen der Osmanen existierte. Um das 15. Jahrhundert bildete sich die jetzige Stadt heraus, die für die Osmanen wachsende strategische und wirtschaftliche Bedeutung erlangte. Sie wurde zu einem wichtigen Bestandteil des Festungssystems in den nördlichen Provinzen des Osmanischen Reiches.

 

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Russe Sitz einer großen administrativen Region (Tuna-Vilaet) und Residenz des Mitchat Pascha. Rustschuk, so der damalige Name, entwickelte sich zu einem Handelszentrum mit starker Festung. Viele europäische Konsulate wurden eröffnet, Hotels, Schulen und eine Bibliothek entstanden.

 

Die Entwicklung der Stadt wurde durch die Donauschifffahrt und durch die am 7. November 1866 eröffnete erste Eisenbahnlinie des Landes, Russe-Warna, die erste Endstation des Orient-Express, gefördert. Bereits 1878, im Jahr der Befreiung von der osmanischen Herrschaft, zählte Russe über 26.000 Einwohner und war die größte Stadt im Königreich Bulgarien.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Russe Kathedrale

Theater

Russe besitzt ein Schauspielhaus, eine Oper und ein Sinfonieorchester.

 

Museen

Die Stadt beherbergt ein Historisches Museum, ein Naturwissenschaftliches Museum, ein Verkehrsmuseum und die Kunstgalerie.

 

Bauwerke

Auffällig sind im Zentrum die vielen Gebäude aus der Zeit des Barocks und der Renaissance. Von nationaler Bedeutung sind unter anderem das Volkstheater "Sawa Ognjanow", die Gemäldegalerie, die Bezirksbibliothek, die Musikschule, das Gerichtsgebäude und die Katholische Kirche. Gegenüber dem Haus der Räte steht das "Denkmal der Freiheit" (von dem italienischen Bildhauer Arnoldo Zocchi).

 

Am Donauufer befindet sich ein 22 Stockwerke hohes Hotel, von dem man einen weiten Blick über die Stadt, die Donau, den Hafen und bis nach Rumänien hinein hat. Nicht weit von hier steht das Denkmal für den Heerführer Stefan Karadscha.

 

Die größte Gedenkstätte Russes ist das "Pantheon der Kämpfer der Wiedergeburt", in dem 30 namhafte Freiheitskämpfer bestattet sind. Beim neuen Bahnhof sehenswert ist ein Festungstor aus der Türkenzeit. Einen Besuch wert ist auch der 210 Meter hohe Fernsehturm mit Aussichtsplattform.

 

Umgebung

Nördlich von Russe, ungefähr sechs Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, findet man die sogenannte "Brücke der Freundschaft" - die mit 2,8 Kilometer längste Stahlbrücke Europas. Sie besteht aus zwei Etagen - oben fahren Autos, unten die Eisenbahn. Gebaut wurde sie im Jahre 1954, restauriert 2003 mit Geldern der Europäischen Union.

 

Elf Kilometer östlich der Stadt liegt der Waldpark Lipnik mit Hotel, Gaststätte, zahlreichen Ferienheimen, Sportanlagen und einem Campingplatz.

 

Unweit der Stadt Russe, nahe Iwanowo, befindet sich der Naturpark Russenski Lom mit den zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden Felskirchen von Ivanovo.

Wirtschaft und Infrastruktur

Russe ist Industriestadt (Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, Maschinenbau, Flussschiffbau und anderes). In der Umgebung der Stadt werden Zuckerrüben und Weintrauben angebaut.

 

Verkehr

Die Stadt besitzt den größten bulgarischen Donauhafen, ist Eisenbahn- und Straßenverkehrsknoten. Über die Brücke nach Giurgiu wird ein großer Teil der Aus- und Einfuhrgüter Bulgariens transportiert. Viele Touristen benutzen die Brücke bei der Ein- und Ausfahrt.

 

Bildung

Russe ist Standort einer Universität, sowie von Deutsch-, Englisch- und Europäischen Sprachengymnasien.

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